Als ich am 13.02.2026 den Artikel "Das Geschäft mit der Tötung von Strassenhunden in Rumänien" (Link) schrieb, verfolgte ich bereits diverse Veröffentlichungen von der Tierärztin Emma Stratulat sowie anderen rumänischen Tierschützern und NGOs zu dem Tötungslager in Suraia.
Neben anderen Tierschützern und NGOs ist sie eine der "Gesichter", die sich gegen die derzeitige Handhabung der Strassenhund-Problematik stellt und auch mit ihrer Hilfe wurde das Tötungslager Suraia "öffentlich". Es gibt auch eine Video-Aufnahme der Überwachungskamera aus dem Tötungslager Suraia, welches das Schicksal eines Hundes zeigt. Damit die Hündin nicht namenlos bleibt, hat Emma Stratulat ihr den Namen "Heidi" gegeben - sie wurde zu einem Symbol des Aufschreis.
Der Aufschrei in Rumänien über die entsetzlichenm Vorkommnisse in Suraia (kein Einzelfall) führte dazu, dass sich nun auch die Behörden und Politik ernsthafter mit der Thematik Strassenhunde/Kastrationen/Euthanasie auseinandersetzen müssen. Hierzu fanden bereits Gesprächsrunden und auch landesweise Demonstrationen in verschiedenen Städten (Bukarest, Cluj u.a.) statt.
Da mich persönlich das Thema nicht loslässt, bat ich Emma Stratulat um ein Interview und hier ist es:
"Magst Du Dich bitte kurz vorstellen und wie bist Du zum Tierschutz gekommen?
Seit meiner Kindheit fühle ich mich Tieren sehr verbunden. Ich verstand schon früh, was Aussetzung und Leid für sie in unserem Land bedeuten und das hat mich tief berührt. Ich erinnere mich, dass ich davon träumte, eines Tages alle Tiere der Welt zu sterilisieren, damit es nie wieder Leid gäbe.
Vielleicht ein kindlicher Traum, aber ein aufrichtiger und starker. Dieser Wunsch, Tiere zu schützen, prägte meinen gesamten Lebensweg. Ich wusste immer, was ich werden wollte und das brachte mich dazu, Tiermedizin zu studieren.
Als Tierärztin konnte ich Tieren direkt helfen, und später gründete ich den Verein, den ich heute vertrete. Für mich war Tierschutz nie nur eine Option, sondern immer meine Berufung.
Wie bist Du auf die Abläufe in dem Tötungslager von Suraia aufmerksam geworden? Gab es vorher schon Vermutungen, dass nicht immer gesetzliche Vorgaben eingehalten werden?
Ich wurde durch Berichte von Mitstreitern und verstörende Beiträge in den sozialen Medien auf das Tötungslager Suraia aufmerksam. In Tierschutzkreisen gab es schon lange Gerüchte über Unregelmäßigkeiten und mangelnde Transparenz in einigen Tierheimen, doch das Ausmaß der Verstöße in Suraia wurde erst durch direkte Beweise enthüllt.
Vielleicht sind meine Informationen nicht korrekt, aber ich ging immer davon aus, dass „Shelter mit Tötungsstationen“ auch mit Vereinen aus dem In- und Ausland zusammenarbeiten, damit manche Hunde vor Ablauf der 14-Tage-Frist noch herausgeholt werden können. Ist bekannt, ob es bei dem Geschäftsmodell von Lazar überhaupt solche Absprachen mit Vereinen gab und Hunde mal dort lebend herauskamen?
Den vorliegenden Informationen zufolge konzentrierte sich Lazars Geschäftsmodell eher auf Verträge mit lokalen Behörden als auf die Zusammenarbeit mit NGOs. Nur sehr wenige Hunde, wenn überhaupt, wurden vor Ablauf der 14-tägigen Frist freigelassen oder gerettet. Die meisten wurden unter schlechten Bedingungen gehalten und nach Ablauf der gesetzlichen Wartezeit eingeschläfert.
Kannst Du sagen, wie viele Hunde aus Suraia von rumänischen Tierschützern und NGOs gerettet werden konnten, nachdem das Lager geschlossen wurde?
Etwa 205 Hunde wurden nach der Schließung von Suraia gerettet, wobei die tatsächliche Zahl möglicherweise noch höher lag. Sicher ist, dass die überwiegende Mehrheit der geretteten Hunde krank war, viele von ihnen litten unter schweren Infektionen, Parasitenbefall und einem insgesamt extrem schlechten Gesundheitszustand. Die meisten befanden sich in einem kritischen Zustand und benötigten sofortige, intensive tierärztliche Versorgung.
Ich habe bei Social Media gelesen, dass viele Hunde erkrankt sind, kannst Du dazu was sagen und welche Erkrankungen es sind?
Viele der aus Suraia geretteten Hunde litten unter Krankheiten wie Staupe, Parvovirose, Räude und schwerer Unterernährung. Einige wiesen zudem unbehandelte Verletzungen und chronische Infektionen aufgrund der Vernachlässigungsbedingungen auf.
Nach dem Bildmaterial und Berichte über uns dem Todeslager Suraia öffentlich wurden, fühlte es sich wie ein kaltes Entsetzen an und man spürte in vielen Berichten in Social Media eine Verzweiflung, Wut, Ärger, aber auch einen beginnenden Funken von Hoffnung, dass vielleicht jetzt die Zeit gekommen ist, dass sich endlich etwas auf politischer Ebene bewegt. Wie siehst Du das? Und wie ernst schätzt Du die Absicht der Behörden und Regierung wirklich etwas im Sinne der Hunde ändern zu wollen?
Die öffentliche Empörung war immens: Die Menschen waren entsetzt und forderten Aufklärung. Frustration und Wut waren spürbar, doch wächst die Hoffnung, dass dieser Skandal die Behörden endlich dazu bewegen wird, das System zu reformieren und strengere Kontrollen durchzusetzen.
Ich habe gelesen, dass die Hunde keine „humane Euthanasie“ erhielten, sondern ihnen tödliche Injektionen ohne Sedierungen erhielten. Wie sind da Deine Informationen?
Augenzeugen und Whistleblower berichteten, dass viele Hunde ohne Betäubung eingeschläfert wurden, was immenses Leid verursachte. Leider handelt es sich dabei nicht um einen Einzelfall; fehlende oder unzureichende Protokolle sind ein weit verbreitetes Problem in vielen Tierheimen (sowohl privaten als auch öffentlichen).
Wie
groß ist die Hoffnung, dass sich an dem System mit dem „Strassenhundmanagement“
etwas ändert? Also das mehr Transparenz und staatliche Kontrollen stattfinden?
Ich bin vorsichtig optimistisch. Die Situation in Suraia hat die Behörden unter Druck gesetzt, und es besteht eine echte Chance auf Verbesserung, aber dazu bedarf es anhaltender öffentlicher Aufmerksamkeit und fortgesetzten Engagements.
Wie
könnte man Dich und die vielen anderen Tierschützer/NGOs in Rumänien aus dem
Ausland unterstützen? Gibt es evtl. eine zentrale Stelle, wo man spenden kann
wegen Tierarztkosten, Spezialfutter usw.?
Ausländer können rumänische Tierschutzorganisationen unterstützen, indem sie direkt über die offizielle Website der jeweiligen Organisation spenden, deren Kampagnen teilen oder Adoptions- und Pflegeprojekte unterstützen. Es gibt keine zentrale Spendenplattform, da die Organisationen unabhängig Spenden sammeln und ihre Arbeit individuell bewerben. Beispielsweise sammeln Asociația Kola Kariola, Ramses und Save our Paws Spenden über ihre eigenen Websites und informieren ihre Unterstützer direkt über Neuigkeiten.
Man
hört hier Deutschland sehr oft von „Tötungssheltern“, die aber städtische
Tierheime sind. Kannst Du uns bitte kurz erklären, wie sich von solchen von
privat betriebenen „Tierheimen“ unterscheiden?
Kommunale Tierheime, in denen Hunde eingeschläfert werden, werden von den Kommunen finanziert und sind gesetzlich verpflichtet, Fundhunde für eine Wartezeit (in der Regel 14 Tage) vor der Euthanasie aufzunehmen. Privat geführte Tierheime hingegen werden typischerweise von Nichtregierungsorganisationen oder Einzelpersonen betrieben und konzentrieren sich auf Rettung, Rehabilitation und Vermittlung, wobei die Euthanasie nur als letztes Mittel in Betracht gezogen wird (oder zumindest so sein sollte).
Gibt
es Vermutungen bzw. Informationen, wie viele Tötungslager, ähnlich wie dieses
in Suraia, noch existieren? Da diese „privaten Tötungslager“ Verträge mit
Gemeinden haben und über Steuergelder finanziert werden, müssten diese
Gemeinden und Städte diese Informationen nicht offenlegen?
Genaue Zahlen sind aufgrund mangelnder Transparenz schwer zu ermitteln. Viele Kommunen vergeben Aufträge an private Betreiber, doch Details werden trotz der Verwendung von Steuergeldern nicht immer öffentlich gemacht. Aktivisten fordern vollständige Transparenz und öffentliche Rechenschaftspflicht."
Von Herzen vielen Dank an Dich und die vielen anderen Tierschützer und NGOs, die so aktiv sind und sich so sehr für die Hunde täglich einsetzen. Und danke, dass Du Dir die Zeit für das Interview genommen hast.
Tom van den Abbeele-Pedall
Autor / Podcaster
tom.pedall@gmail.com




